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Enthüllungen

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Die Dornbergs

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7. Enthüllungen -




Cuba Libre


Die Landung auf der Karibikinsel Kuba war geglückt. An der Küste Floridas vorbei flog die Maschine TriStar der damaligen Fluggesellschaft LTU weiter Richtung des mexikanischen Cancun, ließ Passagiere ein- und aussteigen und startete dann in Richtung Holguin, dem Zielort von Denise und Jens.

Die Maschine erhielt ihre endgültige Parkposition und die Klimaanlage wurde abgeschaltet. Die Luft in der Kabine erhitzte sich in Windeseile und alle Urlauber erhielten bereits einen Vorgeschmack von dem, was sie außerhalb der bisher kühlen Kabine erwartet.

Die Kabinentüren öffneten sich und alle strömten raus und wollten in den entsprechenden Flughafenbus einsteigen; war man ja in Düsseldorf und anderen europäischen Flughäfen so gewohnt. Aber auf Kuba war das anders. Hier mussten die Passagiere ins Flughafengebäude laufen. Dort fand die Passkontrolle statt. Denise und Jens waren nach einer Wartezeit von 45 Minuten zügig durch die Passkontrolle durch; wahrscheinlich lag es an den zwei roten Koffern. Rote Koffer, die Farbe Rot als Synonym für Kommunismus, Sozialismus und der roten Sowjetflagge mit Hammer und Sichel.
Die Hochzeitsreisenden waren nun im Paradies angekommen. Nach einiger Fahrtzeit mit dem nicht klimatisieren und für Jens viel zu niedrigen Reisebus kamen sie am Hotel an … .

Mehrere kleine Bungalows zu einem Hotelkomplex gehörend und geschmackvoll eingerichtet. Achso, Hotelkomplex nicht im Sinne von Mallorca oder der Türkei. Das Hotel hatte einen Badestrand, der nicht überbevölkert war und man auch Wertsachen ohne Bedenken dort liegen lassen konnte. Man war schließlich im Sozialismus.

Die Flitterwochen vergingen wie im Fluge. Jens schwärmte mir nur so von Kuba vor. Die weißen Strände, die Buchten und die Palmen. Alles schien wie in einem Traum. Jens und Denise verbrachten wunderbare zwei Wochen in der Karibik.

Vergessen waren die Träume, wo es um die mit grauem Perlenhalsband dekorierte Hexe ging, um die verfallenen Häuser und alles andere, was ein Gefühl von Unbehagen bei ihm verursachte.

In ihren Flitterwochen lernten sie auch ein älteres Ehepaar - Johanna und Karl-Heinz - vom Niederrhein kennen. Dieses Paar war in Begleitung ihres Hausarztes und dessen Gattin mit denen sie befreundet sind, in den Urlaub gestartet. Der Hausarzt ist ein namhafter Pächter eines großen Jagdrevieres am Niederrhein. Eine Persönlichkeit, wo sich die meisten Jäger vor duckten, denn was er sagte war und ist auch heute noch Gesetz. Die Geschichten, die sie bei den kurzen Begegnungen zu erzählen wussten, waren sehr unterhaltsam. Er witzelte über die, die seine Gunst zu erschmeicheln versuchten, man könnte auch "erschleimen" sagen, indem sie ihm absolut nach dem Mund redeten, nur um in seinem Hochwildrevier einmal jagen zu dürfen. Er genoss dies jedoch offensichtlich. Auch wenn die Geschichten interessant waren, konnten die Brautleute mit diesem Thema zum damaligen Zeitpunkt noch nichts anfangen.

Johanna und Karl-Heinz tauschten mit Jens und Denise bei deren Abreise die Adressen aus und im Laufe der Zeit entwickelte sich eine sehr gute Freundschaft.

Die Urlauber lernten in den zwei Wochen ein weiteres Ehepaar kennen, welches sich in ihrem Alter befand. Auch dieses Paar sollte in späterer Zukunft noch eine größere Rolle spielen.

Nach zwei Wochen hieß es dann Abschied nehmen von der schönen Karibikinsel Kuba. Der Rückflug brachte Jens nicht die auf dem Hinflug vorhandenen Albträume zurück. Ganz das Gegenteil war der Fall.

Die Landung in Düsseldorf erfolgte pünktlich. Sonntags drauf ging es dann wieder nach Leipzig.



Uriel


Uriel heißt soviel wie "Das Licht Gottes". So ist auch einer der vier Erzengel benannt, der die Verstorbenen zum Jüngsten Gericht geleitet. Die anderen Erzengel heißen Gabriel, Michael und Rafael. Uriel ist damit der vierte und letzte im Bunde.

Uriel ist aber auch ein junger Mann, aufgewachsen im thüringischen Schmalkalden, nahe des Rennsteiggebirges. Ein Mann, der dort mit seiner Mutter Maša Brecko in ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Zweiraumwohnung lebte. Über seinen Geburtsort gibt es nur Spekulationen. Geboren 1973 in einem Flugzeug der Fluggesellschaft JAT irgendwo zwischen der damalige Bundesrepublik und der Deutschen "Diktatorischen" Republik (DDR). Sein Vater ist unbekannt; zumindest für ihn. Seine Mutter besitzt jedoch Urkunden, in denen sein Vater namentlich genannt ist.

Er besuchte die normale Mittelschule, wie sie damals hieß in der DDR und hat nach der Wende 1989/1990 eine Ausbildung als Forstbediensteter begonnen. Im thüringischen Forst ist er nun beschäftigt und geleitet Grünröcke und Wanderer in die heimischen Wälder. Er begleitete in der der Zeit der Wende viele Besucher aus den alten Bundesländern, die sich an der Natur im Osten erfreuen und Beute machen wollten.

Eines Tages wurde er von seinem Vorgesetzten einer Gruppe von fünf Männern aus der Wiege des Ruhrgebiets zugewiesen. Diese Gruppe begleitete er eine Woche lang durch die Wälder des Thüringer Waldes nahe des Rennsteigs. Mit einem der Männer verstand er sich besonders gut. Es stellte sich heraus, dass beide gleicher nationaler Herkunft sind und sie kamen ins weitere Gespräch. Der Mann erzählte begeistert von einem kürzlichen Angeltrip mit seinem jüngsten Sohn in Bayern. Er schien begeisterter Angler zu sein. Zählte aus welche Angelruten besaß und versuchte Uriel damit zu imponieren.

Dann kam er im weiteren Verlauf des Gesprächs zum persönlichen, genauer zum familiären Teil. Er fragte Uriel, ob er mit seinem Vater auch immer viel unternommen hat. Uriel konnte ihm nur sagen, dass seine Mutter immer gesagt hat, dass sein Vater kurz vor seiner Geburt gestorben sei. Der Mann wirkte sehr betroffen über diese Aussage. Er fuhr mit seinen Erzählungen fort und erzählte, dass er auch einmal eine Frau während eines Aufenthalts in Südost-Europa kennengelernt hatte und mit ihr befreundet war. "Diese Frau war allein stehend. Irgendwann war sie schwanger und hatte wohl ein Kind geboren. Das Kind soll in einem Flugzeug zur Welt gekommen sein, als sie auf dem Weg aus ihrer Heimat kommend in die DDR war. Ich erhielt damals nur einmal einen Brief von ihr, damals wohnte sie in Schmalkalden. Sie teilte mir mit, dass ich zu ihr kommen solle, damit wir dann eine Familie werden könnten. Sie hatte mir nie geschrieben, ob es ein Sohn oder eine Tochter war. Das hatte mich aber zu der Zeit auch nicht mehr interessiert. Aber mal ehrlich, was sollte ich mit einem fremden Kind anfangen? Ich habe mich nicht mehr bei ihr gemeldet. Denn ich hatte ja im Ruhrgebiet selber eine Frau und drei Kinder. Und die konnte ich unmöglich verlassen", sagte er. Uriel stutzte sichtlich. Er fand die Erzählung aber sehr interessant, wollte mehr wissen und fragte nach, in welchem Jahr das alles passiert sei und ob er noch wisse, wie die Frau hieß.

"Das muss 1973 gewesen sein und sie hieß, warte mal … sie hieß … Maša. Genau, Maša hieß sie", sagte er. Uriel vervollständigte den Satz mit den Worten: "Maša Brecko hieß sie und sie war meine Mutter". Uriel stand auf und verließ den Raum. Die entsetzten Blicke des Mannes, die sein versteinertes Gesicht verließen, folgten ihm … .

"Das muss 1973 oder 1974 gewesen sein und sie hieß, warte mal … sie hieß … Maša. Genau, Maša Brecko hieß sie", sagte er. Uriel stand von seinem Platz auf und vervollständigte den Satz mit den Worten, während er den Raum verließ und dem Mann einen vorwurfsvollen Blick zuwarf: "…und sie war meine Mutter".

Die entsetzten Blicke des Mannes folgten Uriel, bis er die Türe des Raumes schloss….



Der Absturz


Im Himalaya-Staat Nepal stürzte die Maschine ab, in der auch Katis Mann Georg eingecheckt haben soll. Sie zerschellte beim wiederholten Landeanflug auf Kathmandu.

"Du kannst dir vorstellen, dass die Nachrichten Kati in einen noch nie dagewesenen Schockzustand versetzten", meinte Jens zu mir. Angeblich keine Überlebenden? Das konnte Kati ja überhaupt nicht glauben. Das war zum einen verständlich, aber für Kati dennoch schwer zu verstehen. Zunächst wusste sie überhaupt nicht, was sie machen sollte. Ihr Terminkalender war voll bis obenhin und das auf Wochen, Terminabsagen führen gefährdeten Aufträgen. In dieser Situation war guter Rat gefragt und teuer.
Aber das wichtigste war erst mal ihr Kind. Das, was im Kinderzimmer schlief und von alledem noch nichts wusste. Ihren Sohn musste Sie irgendwo hin in Obhut geben. Denn ihre Absicht war, nach Nepal zu fliegen. Ob Absicht oder nicht, sie hätte ohnehin dorthin gemusst, um ihren toten Georg zu identifizieren.

Vor Ort versuchen derzeit die Hilfskräfte nach möglichen Überlebenden zu suchen, obwohl die Hoffnung eher sehr gering war. Denn das Gelände ist schwer zugänglich und nicht alle Wrackteile sind ins Tal gestürzt und verblieben in schwer zugänglichem Gelände. Für mögliche Überlebende, die nicht vermutet wurden, schwand die Hoffnung von Stunde zu Stunde.

Sie buchte einen Flug über Frankfurt am Main Richtung Nepal. Dort angekommen bemerkte sie zunächst die Menschen, die ihr Leben lebten, als wäre nichts geschehen. Verständlich, denn für die Einwohner war es eine von vielen überflüssigen Flugzeugen, die tagtäglich das Himalayagebirge überflogen. Und nun war mal eines abgestürzt. Kati setzte sich mit den dortigen Behörden und der Fluggesellschaft in Verbindung.

In Kathmandu angekommen, begab sie sich sofort zur Deutschen Botschaft, um sich über den aktuellen Stand der Bergungsarbeiten vor Ort informieren zu lassen.


Der Botschafter konnte ihr nichts Positives mitteilen. Die Meldung, die Deutschland erreicht hatte war, so schien es zumindest im Augenblick, Realität. Jedoch bemerkte der Botschafter, dass ihm derzeit die Passagierliste noch nicht vollständig vorläge, da die Technik hier im Land noch nicht vergleichbar mit der in Deutschland wäre. Sie fragte nach, was diese Aussage bedeuten soll. Der Botschafter meinte nur "das ist hier nicht Deutschland. Es kommt schonmal vor, dass Passagiere in Flugzeugen sitzen, die auf keiner Passagierliste erscheinen. Leider ist auch vereinzelt der umgekehrte Fall hier möglich. Ich möchte Ihnen eigentlich damit sagen, dass Herr von Weltzenberg nicht unbedingt an Bord gewesen sein muss, nur weil er auf einer Liste erscheint." Als Kati das hörte, stockte der Atem, denn das waren für Kati Aussagen, die sie nicht akzeptieren konnte, aber dennoch musste. Ihr blieb nichts anderes übrig. Auch sie musste, wie die anderen Angehörigen der Passagiere, abwarten. Es verging Tag für Tag, ohne eine Nachricht zu erhalten. Nach zwei Wochen flog sie nach Hause. Zuvor hat sie die Information erhalten, dass nicht alle Passagiere geborgen werden konnten.

Für sie hieße das nun erst mal wieder abwarten und nach gewisser Zeit vielleicht auch den Schritt, ihren Mann Georg für verschollen erklären zu lassen.

Jens meinte: "Es war eine Schlimme Zeit für Kati, das glaub mal. Sie hatte ein großes Unternehmen zu führen, einen Sohn der auch seinen Anteil an ihrem Tag einforderte. Als sie wieder in Leipzig war, hatten wir sehr oft miteinander anfangs erst beruflich zu tun. Später bei gemeinsamen Abendessen konnte man sich mit ihr auch wunderbar über private Belange unterhalten. Nach ein paar Jahren verließ sie jedoch die sächsische Elster Metropole und engagierte sich in der Politik und gewann immer mehr an Einfluss in den verschiedensten Gesellschaftsschichten unseres Landes. Sie stieg parallel dazu zu einer der knall- härtesten Managerinnen auf, die alles niederwalzte oder walzen ließ, was oder wer sich ihr in den Weg stellte. Derzeit ist sie in Berlin, Leipzig, München, Düsseldorf und Brüssel gleichermaßen zu Hause. Wir stehen noch heute in regelmäßigem Kontakt und mit jedem Anruf kommt die Frage aller Fragen: Wann kommst du zurück nach Leipzig?"



Visionen


"Das war ja die Frage der Fragen oder? Und kommt denn eine Rückkehr nach Leipzig für dich oder besser gesagt deine Familie in Frage?" wollte ich von ihm wissen. Diese Frage beantwortete er dann wie ein Politiker und mit einem breiten Grinsen: "Ich kehre doch jedes Jahr nach Leipzig zurück und das für 2-3 Tage. Das ist doch immer wieder eine Rückkehr; Jahr für Jahr oder etwa nicht? Sieh das mal so, an mindestens 362 Tagen bin ich geschäftlich unterwegs und an drei Tagen in Leipzig, also zu Hause. Man kommt dann doch immer wieder nach Hause, wenn auch nur für 3 Tage im Jahr.", sagte er mit einem Lächeln.

"Ich hätte mir aber bis vor kurzem auch noch Situationen vorstellen, die können übrigens bei jedem Menschen eintreten, die eine dauerhafte Rückkehr hätten begünstigen können. Aber die liegen derzeit nicht mehr vor, da man bemerken kann, dass die Personen, die diese Situationen hätten weiter heraufbeschwören können, nun selbst massive Probleme haben, die sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so schnell nicht mehr los werden und eine ganz lange Zeit lang noch beschäftigen", fuhr er mit einem schadenfreudigem Lachen fort, ohne näher auf die Sachverhalte eingehen zu wollen.

Ich fragte ihn trotzdem: "Jens, was meinst du damit?" Er blieb mir die Antwort aber schuldig. Ich bohrte dennoch weiter. "Hat Kati denn da die Finger im Spiel?"
"Weißt du, Katis Einfluss reicht sicherlich sehr weit. Und niemand, und ich meine wirklich niemand, sollte so töricht sein, diesen zu unterschätzen.
Sie ist zwar über alle Ereignisse, von denen ich dir später auch noch erzählen werde, bis ins kleinste Detail informiert, aber ihren Beistand oder Unterstützung habe ich zu keinem Zeitpunkt angefordert ... ."
"Aber ihre Einmischung kannst du dennoch nicht ausschließen?"
"Was kann man heutzutage schon noch ausschließen. Sie ist nicht die Frau, die sich von jemandem aufhalten lässt. Fakt ist aber auch, sie war über zahlreiche Verhaltensweisen von Personen und Ereignisse mir und anderen gegenüber sehr zornig und wollte, in Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit in Sachsen, eingreifen, was ich aber hoffentlich erfolgreich verhindern konnte. Wäre dem nicht so, wäre das, was bisher geschehen ist, ein Sonntagsspaziergang, verglichen mit dem was da noch zu erwarten wäre. Tatsache ist auch, dass sie in letzter Zeit immer wieder in Bonn und vor allem aber in Mülheim residierte. Das hat mich schon ein wenig stutzig gemacht. Aber sie ist eine freie und unabhängige Frau, die weiß, was sie will, was sie kann, was sie darf, was sie tun muss oder sein lässt und vor allem, dass andere sie besser fürchten sollten."
"Wir werden also sehen, was noch alles passiert … ", fügte ich hinzu.

"Ja, wenn nichts sicher ist, aber das ist es bestimmt!"



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Aktualisiert am 31 Aug 2015

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