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Die Dornbergs
- 2. Actus vitae -
Die Firma
Jens, der aus dem Westen stammende Aufbauhelfer, wie diese Personen früher freundlich genannt wurden, denn redete man von ihnen schlecht, dann hießen sie "Absahner", suchte einen Tag nach seiner Ankunft seine neue, vorübergehende Firma auf. Sie lag in unmittelbarer Nachbarschaft vom legendären Leipziger Zentral Stadions. Ein imposantes, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude mit 4 Etagen. Das Dach wurde umgeben von sandsteinernen Vasen. Es hätte auch ein Königspalast sein können.
Hier residierte nun wieder die Firma, nachdem sie hier nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee 1944, die im Zuge der gegenwärtigen geschichtlichen Entwicklung vom Besatzer zum Gast mutierte, ausziehen musste, da das Gesundheitssystem in der Form innerhalb der sowjetischen Besatzungszone, die DDR gab es ja erst ab 1949, nicht fortbestand.
Die Firma unterhielt seit ihrer Wiedererrichtung zahlreiche Beratungsstellen innerhalb des Stadtgebietes, des Landkreises und des Regierungsbezirkes Leipzig. Diese wurden anfangs von den Westberatern aufgebaut.
Jens wurde zunächst in dem monumentalen Gebäude, in der Kundenhalle, eingesetzt. Hier lernt er auch den Kollegen Maik te Bartz kennen. Er ist ebenfalls ein Aufbauhelfer, den es auch vom Niederrhein ins entfernte Sachsen verschlagen hat. Die beiden arbeiten in einem Bereich zusammen. Später wird es so sein, dass beide an einer zweijährigen Fortbildung am Niederrhein teilnehmen und das Studium zum Fachbetriebswirt ablegen werden.
Jens machte sich mit den Verwaltungsabläufen, mit den Zuständigkeiten, mit den temporär auftretenden Namen, die bis zur Ablösung vor Ort waren, vertraut. In den ersten 5 Tagen, bevor er nach Hause fährt, lernte er viele neue ortsansässige Kolleginnen und Kollegen kennen, die teilweise schwärmend von den "guten alten DDR-Zeiten" zu sprechen wussten. Zugegeben, vieles wurde durch den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland zerstört. So erhielten berufstätige Frauen einmal monatlich einen Hausarbeitstag. Die Arbeitgeber unterhielten meist Kinderhorte, wo die Frauen ihre Sprösslinge während ihrer Arbeitszeit betreuen lassen konnten. Das alles war nun nicht mehr da. Hinzu kam, dass für eine große Wohnung von 100 qm circa 80 Ostmark zu zahlen waren. Heute waren die Mieten bei 500 DM.
So musste sich Jens vieles anhören, wo sich jedoch auch immer wieder Positives beimischte.
Am ersten Wochenende, an dem Jens zu seiner Freundin nach Hause fuhr, war er erstmal 10 Stunden unterwegs. Baustelle an Baustelle, denn der "Aufbau Ost" war voll im Gange.
Er genoss das erste Wochenende und fuhr dann sonntags wieder zurück. Darauf das Wochenende hat er sich die Fahrt nicht mehr angetan und ist nach Hause geflogen.
Montags morgens ging es dann wieder mit der Lufthansa zurück zur Arbeit. Das war damals schon ein komisches Gefühl für einen gerade mal 22-jährigen zu sagen "Ich fliege dann mal eben zur Arbeit".
Die Runde Ecke
Diese Woche sollte dann anders beginnen und ein neuer Abschnitt der Aufbauphase für Jens begann. Ab diesem Montag war ein anderes als das bisherige Gebäude sein Anlaufpunkt; nämlich das ehemalige Stasi-Gebäude, wo sich seine Firma nach dem Auszug der Stasi-Außenstelle niedergelassen hat. Das Gebäude war ein typischer Betonklotz, überwacht mit zahlreichen Kameras. Jens schaute sich das Gebäude genau an. Er lernte im Laufe seiner Arbeit jemanden kennen, der bereits zu DDR-Zeiten in diesem Gebäude beschäftigt war.
Viele seiner Bekannten dachten, Jens hätte nun Kontakte zur, im Untergrund noch agierenden, Stasi. Aber was sich anhört wie aus einem amerikanischen Actionfilm, ist in Wirklichkeit nur ein deutscher Derrick. Es handelte sich um den ehemaligen Hausmeister, der an diesem Tag nur seine Sachen nach zwei Jahren, die noch im dritten (!) Untergeschoss des Komplexes waren, abholen wollte und Jens im Zuge dessen die Räumlichkeiten einmal zeigte und von seinen Erlebnissen erzählte. Die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter waren entweder pensioniert oder anderen Institutionen zugeordnet worden, sodass die einzigen sich im Gebäude befindlichen Zeitzeugen lediglich die Räumlichkeiten waren.
Jens wurde die Kegelbahn der Genossen gezeigt, die von seiner Firma nun als Lager genutzt wurde. Auch konnte er sich ein erschütterndes Bild von den Exekutionsräumen machen, die noch eine Etage tiefer angelegt waren. Insgesamt ein ernüchterndes Gesamtbild der jüngsten Deutschen Geschichte. Später wurden die untersten Etagen zugemauert und die Zeitzeugen verstummten für immer. Jens war jedoch stolz darauf, als einer der Letzten, die Räumlichkeiten noch einmal gesehen zu haben.
Die Annahme seiner Bekannten, Jens habe Stasiverbindungen war so amüsant, dass Jens immer wieder von seinen Verbindungen zur ehemaligen Stasi sprach. Darüber hat er sich stets köstlich amüsiert und amüsiert sich darüber bis heute noch. Denn hätte man einmal sich mit dem Thema beschäftigt, wäre man ganz schnell dahinter gekommen, dass diese Institution mit der Wiedervereinigung nicht mehr existent war. Aber das sagen wir ja niemanden ... .
Die Büros waren aufgebaut wie kleine Einzelzellen. Die Toiletten hatten noch den Charme der allen Zeit. Alte Leitungen rundeten den ersten Eindruck ab. Modern und der Zeit angepasst war allerdings die Beleuchtung, die EDV und die Telefonanlage, die allerdings auch sehr oft ausfiel, weil die alten DDR-Leitungen nicht auf die moderne Kommunikation ausgerichtet war. Das hoch gelobte Internet gab es zu der Zeit noch nicht, denn dann wäre es zum absoluten Telekommunikationscrash gekommen.
Nach Feierabend traf sich Jens hin und wieder mit Kolleginnen und Kollegen, die viel über Leipzig zu berichten wussten. In "Zills Tunnel" haben sich dann einmal alle Kolleginnen und Kollegen mit Jens verabredet. Viele Westkollegen haben sich in der Vergangenheit schon entschlossen gehabt, nicht mehr zurück in den Westen zu gehen.
An diesem Abend, wurde auch Jens erstmals gefragt, ob er sich schon einmal überlegt habe, ganz nach Leipzig zu kommen und die Zelte im Westen abzubrechen. Zu dem Zeitpunkt hat er sich darüber überhaupt noch keine Gedanken gemacht. In dem Moment, wo er gefragt wurde dachte er nur an seine Freundin Denise, seine Eltern und Oma Eugenie sowie an seinen Wehrersatzdienst, wo er sich für 10 Jahre bei der Feuerwehr verpflichtet hatte und noch 7 Jahre abzuleisten waren.
Was würden die alle sagen, wenn er sich für Leipzig entscheiden würde?
Was ist mit der neu eingerichteten Wohnung im Westen?
Was sagen die bisherigen alten Kolleginnen und Kollegen?
Kann das geplante Studium in der bisherigen Art und Weise durchgeführt werden?
Bekommt Denise dort eine Arbeitsstelle?
Alles Fragen, die vor einer Entscheidung, erst zu beantworten sind.
Leider konnten diese Fragen aber weder so schnell beantwortet noch besprochen werden, da sich Jens' Freundin Denise derzeit für zwei Wochen mit ihren Eltern, Ludwig und Almut und ihrer Schwester Tanja im Urlaub im tiefsten Spessart befanden.
Der Urlaub von Denise verging nun wie im Fluge. Als sie miteinander telefonierten sagte Jens noch nichts. Er schwärmte lediglich von Sachsen, von Leipzig.
Nach Denise' Rückkehr aus dem Spessart wusste Jens überhaupt nicht, wie er das Gespräch anfangen sollte. Er erzählte erstmal von Leipzig und Sachsen und wie gut es ihm dort gefiel.
Dann erinnerte er sich an einer Szene aus der amerikanischen Seifenoper "Falcon Crest", in der jemand telefonierte. Er legte eine Videokassette ein und spielte den Ausschnitt mit dem Inhalt vor "(…) papelapap, was interessiert uns die Deutsche Wiedervereinigung (…)".
Jens sagte darauf "ihn interessiert die nicht, aber uns könnte sie interessieren und wenn du möchtest, können wir dorthin gehen".
Denise Blick war wie versteinert. Diesen Anblick wird er wohl niemals wieder vergessen. Die Antwort blieb sie ihm erstmal schuldig … .
Für Denise kam die Frage aus heiterem Himmel. Oberhausen verlassen und nach Sachsen ziehen? Alles aufgeben?
Nun sie hatte noch Zeit zum überlegen. Der letzte Monat der Osttätigkeit war angebrochen. Es war also nicht mehr allzu viel Zeit.
Ihre nächsten Tage waren geprägt von Überlegungen, was nun zu machen war. Zunächst haben beide auch mit niemanden darüber gesprochen. Alles andere wäre fatal gewesen und hätte natürlich wieder für Zündstoff zwischen Almut und Jens' Mutter Renate geführt.
Beide Mütter haben sich immer mit mehren Frauen einmal wöchentlich zum Frühstück getroffen. Nicht selten kam es im Anschluss vor, dass Jens und Denise anschließend in ein Intrigennetz und in Tratschereien zwischen den beiden hereingezogen wurden.
Um dem ganzen zu entfliehen, wäre ein Umzug nach Sachsen ideal.
Der Augustputsch
Eine neue Woche begann. Jens war sonntags bereits wieder nach Leipzig geflogen. Seinen Ascona hatte er am Hotel geparkt. Da es noch relativ früh am Abend war, fuhr er noch durch Leipzig.
Am anderen Morgen schien alles so wie es bisher jeden Morgen war. Jens schaltete den Fernseher in seinem Hotelzimmer an und verschwand erstmal ins Bad. Als er wieder raus kam und auf den Bildschirm schaute, sah er Panzer, die über den Bildschirm flimmerten. Der damalige Außenminister der Bundesrepublik war zu sehen, er hielt eine Rede und erinnerte die Putschisten an den bestehenden Zwei-Plus-Vier-Vertrag und den Verpflichtungen und Zusagen daraus. Putschisten? Erinnerung an die 2+4-Verträge? Panzer rollen?
Jens verfolgte fassungslos die Berichte im Frühstücksfernsehen. Es gab einen Putsch in der Sowjetunion. Präsident Gorbatschow war auf der Krim unter Hausarrest gestellt worden und eine bisher unbekannte Person namens Gennadi Janajew hielt eine Rede.
Ein Alptraum hat für Jens begonnen, denn die ehemaligen sowjetischen Besatzungstruppen, die nach der Wiedervereinigung nur noch Gaststatus besaßen, waren aus Sachsen noch nicht abgezogen, der Abzug hatte noch nicht einmal begonnen und weder die Bundeswehr noch Nato-Truppen waren in voller Anzahl überall präsent. Was wäre, wenn ein Befehl aus Moskau kommen würde, den 2+4-Vertrag zu kippen und dieser für null in nichtig erklärt werden würde?
Jens ging zum Frühstück, bekam aber keinen Bissen runter. Er nahm eine schnell gepackte Tasche, legte sie ins Auto und fuhr zur nächsten Tankstelle, um vollzutanken für den Fall, dass er keinen Flug mehr nach Hause bekommen würde. Autoschlangen standen an der Tankstelle. Es fiel auf, dass überwiegend Fahrzeuge mit West-Kennzeichen sind in eine unendliche Schlange einreihten. Jens dachte so, es seien wohl Personen, die von ihrer Firma keine Flüge bezahlt bekommen. Er hat sich vorgenommen, sofort bei der Ankunft im Büro das Reisebüro anzurufen und Flüge für den Fall einer Flucht vorzubuchen.
Im Büro angekommen und nachdem er die freundliche Stimme des Reisebüros hörte, kam für ihn die Ernüchterung. Alle Flüge waren ausgebucht! Es gab keine Flüge mehr! Es wurde sogar nachgedacht, wie die Dame am anderen Ende der Leitung sagte, dass ein Krisenplan in Kraft treten könnte, der beinhalte, den Flughafen Leipzig/Halle in Abhängigkeit von der Entwicklung in Moskau überhaupt nicht mehr anzufliegen. Peng! Das wäre der Hauptgewinn gewesen.
Jens versuchte dennoch an diesem Tag zu arbeiten, war aber mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache. Die Geschäftsführung informierte laufend über die neuesten Entwicklungen und garantierte, sofort zu informieren, wenn die Lage auch in Sachsen kritisch würde.
Jens machte an diesem Tag früher Feierabend, um die Entwicklung in Moskau weiter zu verfolgen. Es waren turbulente Szenen, die sich in Moskau abspielten. Gegen Abend wurde dann bekannt, dass die neuen Machthaber alle internationalen Verträge respektieren und anerkennen. Damit war der Alptraum am Abend wieder vorbei … .
Anmerkung: Näheres zum "Augustputsch" kann nachgelesen werden unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Augustputsch
Das Gespräch
Nun war wieder eine Woche vorüber, allerdings eine turbulente Woche, die den geplanten Traum zu nichte hätte machen können, und Jens packte seine Sachen im Hotel fürs Wochenende. Diesmal wollte er nach Hause fliegen. Zuvor hat er aber noch einen Termin in der Firma. Es war ein Folgetermin, der das bereits in der endenden Woche, mit dem Personalchef Ron Schorf, ebenfalls ein Westimport, geführte Gespräch ergänzen sollte. Das Gespräch würde Jens' Leben für eine bestimmte Zeit verändern.
Es war das Vorstellungsgespräch bei dem zweiten Geschäftsführer der Firma. Der Funktion noch unangemessen, residierte William Stahl, den es auch aus dem Rheinland ins entfernte Sachsen verschlagen hatte, in einem kleinen Büro von etwa 10 qm, nach oben zur Decke waren es allerdings etwa 5 m. Herr Stahl hatte schon alle Zelte im Westen abgebrochen und ein Einfamilienhaus im Umkreis von Leipzig käuflich erworben.
Sie besprachen die Details, des Dienstverhältnisses, welches dem eines Beamten glich. Unter anderem hat die Bundesregierung für alle, die in den Osten gingen ein Boni-Paket geschnürt, dessen Vorzüge jeder für zwei Jahre genießen konnte. Unter anderem wurde freie Unterkunft und eine Aufwandsentschädigung, die umgangssprachlich "Buschgeld" genannt wurde, zugesichert.
Zudem wurde über einen Arbeitsplatz für Denise gesprochen, was sich nachträglich als selbstverständlich herausstellte, dass die Ehepartner auch eine Anstellung finden würden. Allerdings wurde Denise 's Arbeit, da sie im Westen in einem Privatunternehmen beschäftigt war, nur mit BAT-Ost vergütet.
Herr Stahl beendete das Gespräch und brachte die Freude zum Ausdruck, einen neuen Mitarbeiter ab 01.12. und eine neue Mitarbeiterin ab 01.01.1992 gefunden zu haben und gab Jens eine Einstellungsgarantie.
Jens informierte die bisherigen Kolleginnen und Kollegen, dass er ab dem 01.12. des Jahres neuer Mitarbeiter in Sachsen würde.
Direkt nach dem Gespräch machte Jens mit dem Geschäftsführer seiner bisherigen Firma einen Termin für den kommenden Montag, wo er ihn von dem beabsichtigten Wechsel nach Sachsen informieren wollte.
Nachdem montags das Gespräch in guter und verständnisvoller Atmosphäre stattgefunden hatte, flog Jens wieder zurück in seine Wahlheimatstadt Leipzig.
Die vorerst letzte Woche war nun angebrochen und so langsam fing er an die ersten Sachen zu packen.
In den Tagen der letzten Woche hat er viele Abschiedsgeschenke erhalten, die sich allesamt auf Leipzig bezogen. Es war auch ein Wörterbuch "Deutsch-Sächsisch / Sächsisch-Deutsch" dabei. Diese Lektüre war ein Versuch einer Kollegin, die noch nichts von einer baldigen Rückkehr wusste, ihm das Sächsische näher zu bringen, für den Fall, dass er auf Dauer hier bleiben sollte.
Die Stunde des Kleinen
Im Westen, Freitagmittag, es ist 12.30 Uhr. Ideales Wetter um an heimischen Gewässern zu fischen. Der kleine "Künstler" freut sich schon auf den Feierabend. Nach einer anstrengenden Woche hat er sich das auch redlich verdient, denkt er sich so.
Der kleine heißt Tobias, ist gerade 30 Jahre alt und arbeitet in einer alteingesessenen Firma zusammen mit seinem 7 Jahre jüngeren besten Kumpel Adrian Richter.
An diesem Wochenende ist er samstags bei einem Künstlerkollegen zum Geburtstag eingeladen, zu dem auch sein Kumpel regulär eingeladen wäre. Da dieser jedoch lieber Fische im entfernten Bayern in familiärer Gesellschaft aus dem Gewässer holen möchte, soll er durch seine Freundin Carola Chemnitz an diesem Abend sozusagen vertreten werden.
Jens ist sichtlich bestürzt und unterbricht kurz seine Schilderungen, als er die Details über das Verhältnis zwischen Carola und Adrian erzählt.
Jens fuhr fort … . Adrian behandelt Tiere besser als seine Carola. Carola ist zwar eine relativ durchschnittliche Frau, die eine abgebrochene Ausbildung aufweisen kann, einer Beschäftigung nicht nachgeht und man vergeblich bei ihr die Spuren eines gesunden Selbstbewusstseins sucht. Sie hat sich zum Ziel gesetzt eines Tages sich von einem fürsorglichen Mann heiraten zu lassen, der natürlich auch ein wenig Bares auf dem Konto aufweisen muss.
In der Vergangenheit glich sie eher einer Sibirienarbeiterin, die nur für Garten, Küche, Kind und das Wohlergehen des Familienoberhauptes da zu sein hatte. Adrian legt dabei ein Verhalten an den Tag, bei dem ein Neandertaler mehr Respekt vor anderen Menschen gehabt haben dürfte.
Sicherlich kann Jens in dieser Sache nicht objektiv sein, wozu er auch einen triftigen Grund hat, den jedermann nachvollziehen kann, der diesen Grund kennt. Aber das ist eine andere Geschichte … .
Nun kommt er wieder darauf zurück, was er eigentlich berichten wollte … .
Tobias geht nach Hause. Abends packt er seine Sachen und fährt zum nahegelegenen Gewässer. Er beabsichtigt, die gesamte Nacht am Gewässer zu verbringen, was er auch bis 5 Uhr morgens durchhält.
Am Tag darauf ruht er sich aus, während sein Kumpel Adrian bereits im tiefsten Bayern in einer Gaststätte sitzt und die ersten Bierkrüge leert. Er ist ein Überredungskünstler. Denn vor nicht allzu langer Zeit hat er Tobias überredet, sich auch dem Angelsport zu widmen.
Schon seit ihrem Kennenlernen haben Tobias und Carola Gefühle füreinander, ohne dass Adrian etwas davon weiß oder jemals erahnen mag. Denn würde er es ahnen, würde er überreagieren. Auch wenn Tobias sein bester Kumpel ist, würde diese Ehrverletzung mit angemessenen Mitteln beantworten.
Samstagabend steigt im südlichen Stadtteil nahe einer alten abgeräumten Halde die große Party. Viele Gäste waren geladen und nahezu alle Gäste sind auch gekommen, da der Gastgeber ein sehr engagierter, passionierter Petrijünger ist, der auch über die Stadtgrenzen hinaus sehr bekannt ist.
Tobias wird seine Begleitung abholen, mit der Absicht, sie eigentlich nach der Party in ein Taxi nach Hause zu setzen. Er nimmt sogar einen großen Umweg für sie in Kauf.
Die Luft wäre ja rein und Bayern ist weit weg. Das wäre dann die Stunde des Kleinen ... .
Bis bald ... Sachsen
Der letzte Tag der Aufbautätigkeit als Westberater ist angebrochen. Das vorletzte Frühstück im Hotel Stadt Leipzig ist eingenommen und ein vorerst letztes Mal werden die heiligen Hallen der Firma betreten.
Mit gemischten Gefühlen verabschiedet sich Jens von den Kolleginnen und Kollegen unter ihnen auch Westkollegen, die schon längst dort ihre Heimat gefunden haben.
Gegen 16 Uhr verlässt er dann auch das Gebäude und geht noch einmal zum Hotel. Er bucht direkt ein Zimmer für ein Wochenende, an dem er seiner Freundin Denise die Stadt Leipzig und das Land Sachsen zeigen möchte. Das Land in dem beide nach ihrer anstehenden standesamtlichen Heirat im Dezember ab 01.01. zusammen leben werden.
Der letzte Abend im Hotel Stadt Leipzig ist den Rückblicken und der Reflektion des Erlebten gedacht.
Aus diesem Anlass hat Jens sich eine Flasche Rotkäppchen-Sekt gekauft, eine Marke aus Freyburg/Unstrut. Auf seinem Zimmer angekommen, öffnet er die Flasche und gießt Sekt in ein Glas und geht damit zum Fenster, wo sich ihm ein, in der Abendsonne rot schimmernder, Leipziger Hauptbahnhof majestätisch präsentiert und sich offenbar auch in aller Würde mit diesem Bild von ihm für die nächsten drei Monate verabschieden möchte.
In Gedanken versunken lässt er die zwei Monate noch einmal Revue passieren. Die Fahrt in den Osten, die Eindrücke der ehemaligen Grenzanlagen, die Ankunft, der erste Eindruck von der Stadt, die Geschichte und natürlich die Menschen, die Menschen, die diesen Aufenthalt zu dem gemacht haben, was er war. Von alle dem hat sein Vater, Rudolf Dornberg, der sehr oft in der Messestadt Leipzig zu Besuch war, immer begeistert erzählt.
Nun wird auch Jens am nächsten Tag nach Hause fahren und hiervon begeistert berichten und all das auch in den nächsten drei Monaten vermissen, bis er hierher zurückkehrt.
Nach diesen Gedanken erhebt er sein Glas mit den Worten:
"Ich trinke auf dich Leipzig, heimliche Hauptstadt Sachsen, mögest du ewig leben!"
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