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Die Dornbergs
- 5. Morgendämmerung -
Silvester
Das neue Jahr stand vor der Tür und wollte dem alten Jahr die Hand zum Abschied reichen. Für viele Menschen ein bewegtes Jahr, für manche ein Jahr des Abschieds, ein Jahr vieler Veränderungen, persönlicher, aber auch örtlicher Art und für manch einen auch ein Jahr großer Hoffnung. Als Fazit des gesamten Jahres könnte man 1991 durchweg als positiv bewerten.
In Mülheim bei den von Weltzenbergs als auch in Oberhausen bei den Dornbergs ist man voll silvestertechnisch aufgerüstet. Raketen lagern in den an verschiedenen Stellen und warten sehnsüchtig auf den erlösenden Funken, damit sie sich gen Himmel in voller Pracht entfalten können. Kati erhielt nach ihrer Rückkehr eine große Überraschung.
Georg empfing Sie mit einer Flasche französischem Champagner. Die Flamme im offenen Kamin loderte, das Knacken des brennenden Holzes war kaum zu überhören, der drei Meter hohe Weihnachtsbaum leuchtete und funkelte mit Katis angelegtem Diamantenkollier um die Wette.
Als beide sich zuprosteten und glücklich darüber waren, wieder zusammen zu sein, wenn es auch nur für ein paar Tage war, zog Georg ein kleines Etui aus seiner Hosentasche. Dieses Etui enthielt einen Autoschlüssel. Auf diesem Autoschlüssel waren die bayrischen Nationalfarben zu sehen. "Ich habe noch ein kleines Geschenk für dich", sagte Georg.
Kati war außer sich vor Freude, als sie den Schlüssel in seiner Hand winken sah und wollte sich sofort ihr neues Auto anschauen. Sie gingen beide vor die Tür. In dem Moment wurde ihr, dank Zweitschlüssel, das neue Gefährt von Georgs Fahrer direkt vor die Haustür gefahren. Es war ein schwarzer BMW der Sportausstattung M5, der ein kleines Vermögen gekostet haben muss und der so einige Pferdestärken unter der Haube hatte. Sie konnte ihr Glück noch gar nicht fassen. Am Morgen drauf wurde der Wagen erst mal auf der, wegen ihres ebenen Verlaufs bekannten, Autobahn 31 getestet und ausgefahren. Sie fuhren bis zur Ausfahrt Reken, drehten und fuhren wieder zurück. Dabei hatte Kati große Mühe, die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die ihr im Vorbeiflug begegneten, wahrzunehmen.
Silvester wurde dann zu Hause in der Gesellschaft von Freunden und Nachbarn des "Villendorfes" verbracht. Es war ein Silvesterbuffet bestellt, auf dessen Highlight ein wohlschmeckendes Spanferkel war. Die illustre Gesellschaft ging erst früh morgens zu Bett, nachdem etliche Kartons mit Flaschen Wein und Sekt geleert wurden. Sonntags drauf stand die Rückfahrt für Kati in die sächsische Metropole wieder an, um den Aufbau der Niederlassung abzuschließen und den Betrieb Mitte Januar aufzunehmen.
An diesem Sonntag, sie wollte spätestens um 17 Uhr starten, war im Hause derer von Weltzenberg Stress angesagt. Es waren zum Mittagessen Geschäftspartner geladen, die gegen 15 Uhr aufs höflichste zum Gehen aufgefordert werden mussten, da Kati noch ihre letzten Utensilien packen musste und Georg schließlich seine Kati mit ihrem neuen Gefährt verabschieden musste. Kurz vor der Abfahrt ließ Kati ihre Koffer durch Georg verstauen, verabschiedete sich herzlichst von Georg, stieg in ihren motorisierten Rennschlitten, fuhr die Einfahrt hinunter und brauste davon.
Sie befuhr nur die Autobahnen. Landstraßen durch Hessen waren für sie tabu, denn sie hatte ja einen schnellen M5. Nach etwa 5 Stunden Fahrt verspürte sie ein Gefühl von Hunger, da sie beim gemeinsamen Mittagessen mit Georgs Geschäftspartnern kaum gegessen hatte. Sie näherte sich einem thüringischen Rasthof, er hieß "Teufelstal" und unterbrach ihre rasante Fahrt. Es war zu diesem Zeitpunkt schon dunkel und es nieselte. Kati parkte ihren Wagen, schloss ihn ab und ging in die urige Holzhütte. Beim sich Nähern der Theke studierte sie das zwischenzeitlich reichhaltige Angebot und bestellte sich eine Thüringer Rostbratwurst sowie ein Mineralwasser.
Sie bezahlte, nahm die Bratwurst und das Wasser, wandte sich voller Elan um und stieß prompt mit einem, seitlich hinter ihr stehenden, jungen Mann zusammen, vergoss ein wenig Mineralwasser über ihren Kaschmeermantel und wetterte lauthals verärgert: "Könn' se' nich' aufpassen?"
Die Neubürger
Jens und Denise haben die Silvesternacht als Ehepaar sehr gut überstanden. Die Raketen waren abgebrannt, die Straße, die eigentlich einer Allee aufgrund der beidseitigen Baumbepflanzung glich, und der Bürgersteig waren gefegt, als hätte nie eine Knallerei stattgefunden. Die kleine Wohnung von Denise und Jens war auch wieder aufgeräumt. Und nichts erinnerte mehr an die berauschende Silvesternacht.
An dem darauffolgenden Sonntag waren die Koffer gepackt und standen ebenso wie mehrere Plastikkörbe bereit, um im Kofferraum des goldfarbenen Ascona verstaut zu werden. Denise und Jens waren zuvor jedoch noch zum Mittagessen bei Almut und Ludwig Clasen eingeladen. Es sollte ein Abschiedsessen werden. Serviert wurde Jens' Lieblingsgericht: Sauerbraten mit Klöße und Rotkohl. Einfach ein Gedicht.
Nach der üppigen Mahlzeit verabschiedeten sich beide und fuhren nach Hause, um nun endgültig den Wagen zu beladen. Jens Mutter rief noch an und beklagte sich, was sie wieder über uns von ihrer guten Bekannten Ulla Opmanezki, einer der größten Klatschtanten aus Oberhausen, erfahren musste. Jens blockte das Gespräch sofort in den Anfängen jedoch verärgert ab, da sie schließlich noch eine lange Fahrt vor sich hatten und er sich mit solch einem Ballast nicht abgeben wollte. Ganze 560 km waren schließlich noch zu bewältigen. Der Anlass des Anrufs blieb somit also offen. "Diese Opmanezki soll der Teufel holen", dachte er nur, als er wütend den Telefonhörer in die Schale warf.
Die 60 qm große Parterrewohnung wurde so hergerichtet, dass sie durchaus auch eine Woche ohne Bewohner auskommen konnte. Die Pflanzen wurden nochmal gegossen und die Rolläden herunter gelassen. Denise' s Oma Reni, eine etwa ein Meter und sechzig große Person, die etwas stabiler gebaut war, hatte dankenswerter Weise einen Zweitschlüssel übernommen, um regelmäßig mal nach dem Rechten zu sehen. Von ihr verabschiedeten sich beide noch.
Der Wagen wurde beladen, Kofferraum, Rücksitzbank, alle Flächen wurden genutzt, um für den bevorstehenden Aufenthalt in Sachsen alles vor Ort und griffbereit zu haben. Sie fuhren los. Jens entschied sich dazu, nicht wie gewohnt die Landstraße durch Hessen oder auch die nördliche Route, die durch das Bundesland Sachsen-Anhalt und dem nördlichsten Teil von Thüringen führte, zu fahren. Die Landschaft dieser nördlichen Route hatte allerdings seinen ganz besonderen Reiz. Sie führte über Göttingen, Duderstadt, Sangerhausen, Bad Frankenhausen, Artern, Querfurt nach Leipzig. Er wollte diesmal aber nur die Autobahnen befahren; A2, A1, A44, A7, A4 und irgendwann auch die A9 in Richtung Leipzig.
Beide Frischvermählten überfuhren bei Herleshausen den damaligen gleichnamigen Grenzübergang. Denise sah die verlassenen Grenzanlagen zwar zum zweiten Mal, fand diese aber von neuem wieder erschreckend. Zum Auftanken wurde eine Tankstelle kurz hinter der ehemaligen Staats- und heutigen Landesgrenze ausgewählt, da Tankstellen auf der noch bevorstehenden Strecke eher Mangelware waren. Kurz vor Weimar wäre eine Minol-Tankstelle gewesen. Sicherheitshalber fuhr Jens neuerdings immer mit einem fünf Liter Ersatzkanister herum, um nicht irgendwann einmal in Verlegenheit zu kommen, ohne Benzin da zu stehen. Nach dem Auftanken ging es dann weiter Richtung Gotha, Weimar und Jena.
Die Wohnungen in den Plattenbauten der thüringischen Stadt Jena, die man nach einiger Fahrt hinter der Bergkuppe der A4 wahrnehmen musste, waren allesamt hell erleuchtet. So schrecklich der Anblick bei Tageslicht oder Regenwetter war, umso interessanter und faszinierender war der Anblick bei Dunkelheit. Bei Jens und Denise machte sich nach der bisherigen Fahrt ein Hungergefühl breit. Da die Amerikanischen Fastfood-Ketten sich noch nicht an den Autobahnen ausgebreitet hatten, haben sich beide kurzerhand entschlossen, den nächsten Rastplatz anzufahren. Der nächste Rastplatz war der Rastplatz Teufelstal, an dem in einer urigen Holzhütte Thüringische Spezialitäten angeboten wurden. Der Aufenthalt dort konnte man schon als ein Erlebnis bezeichnen.
Sie verließen die Autobahn und fuhren auf den Rastplatz. Jens parkte neben einen BMW M5. Jens bemerkte das Kennzeichen, welches mit MH begann und dachte: "Wieder ein Wessi." Beide gingen in die gute Stube. An der Theke angekommen studierten sie erst mal die oberhalb der Theke angebrachte Speisekarte. Die Raststätte war wie immer sehr gut besucht. Jens stellte sich hinter eine junge Frau mit blonden Haaren, guter Figur, die einen optisch edlen Mantel trug und bereits bedient wurde. Sie sprach gebildetes Hochdeutsch. Sie war gerade dabei zu bezahlen. Mit großem Elan und beladenen Händen kam es zur Kollision mit Jens und sie vergoss eine größere Menge ihres Mineralwassers über ihren Mantel. "Könn' se' nich' aufpassen?", wetterte sie ziemlich zickig und suchte sich einen freien Sitzplatz. Wie war das nochmal mit dem gebildeten Hochdeutsch? War wohl nur eine Fassade. Dabei bemerkten sie, dass sie wohl auch aus dem Ruhrgebiet kommen musste. Vielleicht gehörte ihr ja der BMW M5?
Jens nahm jedenfalls das Verhalten dieser, attraktiven und dennoch zickigen Frau nur kopfschüttelnd ohne ein Kommentar zur Kenntnis. Als Denise und Jens ihre Bestellung erhielten, gingen beide wieder zum Auto und aßen dort. Wenig später stieg die zickige Blondine, natürlich, in ihren M5, warf Jens noch einen bösen Blick zu und fuhr mit Vollgas davon.
Kurze Zeit später fuhren auch Jens und Denise wieder los und erreichten nach gut zwei Stunden entspannter Fahrt die Messestadt Leipzig. Denise war auf die Unterkunft und ihrem, ab morgen beginnenden, neuen Berufsleben und den Kolleginnen und Kollegen sehr gespannt. In Leipzig angekommen machte sich wieder Hunger breit. Die Thüringische Spezialität hat nicht ausgereicht, den Hunger zu bändigen. Kurzerhand entschlossen sie sich in den Auerbachs-Keller noch zu gehen und dort noch die hervorragende Küche zu genießen. Nach dem Essen fuhren sie zur Johannishöhe. Sie wurden vom Ehepaar Hubertz freundlich begrüßt. Nach einem kurzen Smalltalk gingen beide in ihr Zimmer unter dem Dach und richteten sich erst mal häuslich ein.
Unter dem Dach im Zimmer angekommen, brach Denise in Tränen aus. Jens versuchte sie wieder zu beruhigen. War ja eigentlich auch verständlich. Weit weg von zu Hause, die tristen Straßen, was durch das nebelige Winterwetter auch noch erheblich verstärkt wurde, ein ganz neuer Arbeitsplatz mit neuen Herausforderungen und zudem noch das Kofferradio, auf dem der heimische Sender "Antenne Ruhr" noch eingestellt war. Aber auf dieser Frequenz gab es in Leipzig nur ein lautes Rauschen zu vernehmen... .
Morgendämmerung
Nach einer eher schlaflosen Nacht für beide, begann für Jens und Denise das Arbeitsleben in der Messestadt. Zuvor wurde jedoch das von Frau Hubertz hergerichtete Frühstück im Wohnzimmer des Vermieter-Ehepaares eingenommen. Es bestand aus einigen dünnen Scheiben Wurst, Marmelade, Butter, aufgebackenen Doppelbrötchen und dünnem Kaffee. Das Wohnzimmer selbst war sehr ärmlich eingerichtet; mit Mobiliar aus längst vergangenen Tagen. Frau Hubertz erzählte ein wenig von früher und meinte auch, dass zu DDR-Zeiten alles schöner und besser war. Sie selbst war eine im Ruhestand befindliche Straßenbahnfahrerin. Jens dachte für sich, aha, eine "Genossin Straßenbahnschaffner" oder "IM Straßenbahn". Das IM stand für "Informeller Mitarbeiter" der Staatssicherheit. Beide frühstückten zügig weiter.
Denise ist gespannt auf ihre neue Arbeitsstelle. Gemeinsam fahren sie von der Johannishöhe zur Firma, als es sehr langsam hell wurde. Die Begrüßung des frisch gebackenen Ehepaares hätte eigentlich etwas freundlicher Ausfallen können. Aber es war nebelig, kalt, regnerisch und der Dunst der Braunkohlekamine lag in den zu dieser Jahreszeit ohnehin schon tristen Straßen der Stadt. Diese Umstände verliehen der Stadt aber auch trotzdem ein gewisses Flair.
Erst stand aber der Gang in die Personalabteilung an, um alle Formalitäten für Denise' Arbeitsbeginn zu klären, da sie nur auf mündlicher Absprache hin mit Jens und Herrn Stahl eingestellt wurde. Denise war sehr beeindruckt von dem "Firmenpalast". Jens hatte in seinen Erzählungen nicht übertrieben. Die steinernen Säulen, die teilweise abgetretenen schwer anmutenden Granittreppen und die dazu passenden schweren Eichentüren, die teilweise noch weiß lackiert waren, boten ihr ein rustikales Bild von dem alten Gemäuer.
Beide betraten das Vorzimmer des Personalchefs Ron Schorf. Der Raum war schmal und hoch und wirkte ziemlich erdrückend, zumal dort zwei Sekretärinnen saßen. Als sie den Raum des Personalchefs betraten, stellten sie fest, dass dieser Raum nicht anders war, nur von Zigaretten verqualmter. Der Personalchef war ein Mensch, der nie ruhig sitzen konnte, immer in Bewegung war, ziemlich viel rauchte und immer nervös wirkte.
Nach dem Gespräch und der Übergabe der Unterlagen, bat der Personalchef beide ihn zur stellvertretenden Geschäftsführerin, Frau Andropowicz, zu begleiten. Als alle drei, der dünne Herr Schorf vorweg, den Raum der Dame betraten, wurden Denise und Jens erst mal von der Größe des Raumes erschlagen. Die aus Eichenholz bestehenden alten Holzvertäfelungen, die bis zur Decke reichten, sahen sehr edel aus. Die mit einem Lamellenvorhang verhangenen Fenster brachten viel Licht in das Riesenreich der circa 45 Jahres alten Frau Andropowicz. Die eher zierlich wirkende Dame selbst saß telefonierend hinter einem sehr großen schweren Schreibtisch, auf einen Ledersessel, dessen Rückenlehne ihren Kopf weit überragte.
Sie war eine Person, die mit ihren schwarzen nach hinten gesteckten Haaren recht kühl wirkte und jedem Menschen mit einem strengen Gesichtsausdruck begegnete; dabei trug sie eine Brille auf der Nasenspitze, was ihren strengen Blick noch unterstrich. Ihr Kostüm wirkte edel und einer Frau in dieser beruflichen Position angemessen. Schulterpolster wie bei Alexis im Denver-Clan ließen diese Frau weit aus mächtiger wirken, als sie vielleicht überhaupt war.
Bestimmend und ungeachtet dessen, dass Jens und Denise anwesend waren, unterbrach sie ihr Telefonat kurz und forderte beide sowie den Personalchef winkend auf den Raum zu verlassen und vor der Türe zu warten. Sie verließen kurzzeitig den Raum.
Am Ende des Telefonats rief sie die drei Wartenden wieder herein, erhob sich zur Begrüßung von ihrem Sessel und kam hinter ihrem Schreibtisch hervor. Die eigentlich so zierliche Person wirkte als sie auf die Besucher zukam viel breiter und mächtiger; fast schon respektfordernd.
Herrn Schorf fragte sie etwas verärgert, ob er nicht gesehen habe, dass sie telefoniere. Er antworte aber nicht und ignorierte ihre Frage.
Sie hieß Jens und Denise sehr freundlich im Unternehmen und in der Stadt Leipzig willkommen und wünschte beiden alles Gute für die gemeinsame Zukunft, die in Leipzig beginnen sollte. Nach einem kurzen Gespräch verließen die drei wieder den Raum.
Ron Schorf erzählte ihnen, dass Frau Andropowicz schon im übernommenen DDR-Unternehmen eine herausragende Persönlichkeit war und aufgrund ihrer weitreichenden politischen Kontakte die Nummer drei in der Geschäfts-führung ist.
Er verabschiedete sich nun auch von beiden, wünschte auch einen guten Start und ging wieder in sein Büro zurück. Die Dornbergs fuhren danach zu ihrem Dienstgebäude in den Dittrichring, um dort ihre Arbeitsplätze einzunehmen.
Als sie das Gebäude betraten, schien am Empfang der Pförtner, der wie sich später herausstellte, Mädchen für alles war, diesmal Telefonist hektisch wiederholt in den Telefonhörer rief: "Halloe Teiiilnähmer … halloe Teiiilnäähmer!" Als er uns bemerkte legte er auf und fragte beide, was sie denn wünschen. Nachdem sie sagten, sie seien die "Neuen", wies er sie an, in die zweite Etage zu gehen und sich bei Herrn Lechtingen zu melden.
Oben angekommen, stellten sie fest: Herr Lechtingen war nicht im Hause und hielt sich noch in seiner niederrheinischen, von den Römern gegründeten Heimatstadt auf. Lediglich seine Stellvertreterin, Marie-Luise Rekert war zu sprechen. Sie traten in ihr Büro ein, welches bei weitem nicht so komfortabel war, wie das von Frau Andropowicz, obwohl auch diese Dame im DDR-Unternehmen eine höhere Stellung hatte.
Die etwas stabiler gebaute Dame hatte einen adretten Kurzhaarschnitt, wie für Frauen im Alter von etwa 55 Jahren üblich war, etwas angegraut und wirkte sehr nett und freundlich. Sie erschien wie eine liebenswürdige Großmutter. Sie bat beide Platz zu nehmen und erklärte beiden ihre zukünftigen Aufgaben im Unternehmen. Wie sich das so anhörte, erwartet beide eine Vielzahl interessanter Aufgaben. Schwärmerisch erzählte sie abschließend von ihrer Zeit im übernommenen DDR-Unternehmen, von der Zeit "vor der Wende", in der doch alles viel besser zu sein schien. Dennoch schien sie froh darüber zu sein, wie alles gekommen ist und sie hatte gelernt, auch die Vorzüge der Wiedervereinigung Deutschlands zu sehen.
Nach dem Gespräch wurden Denise und Jens in den unterschiedlichen Abteilungen vorgestellt und nahmen dort ihre Plätze ein. Die Mitarbeiter waren zunächst ein wenig distanziert, was sich aber nach ein paar Tagen legen sollte.
Jens wurde ein Büro zugewiesen, in dem drei Kolleginnen aus Leipzig saßen. Das Fenster war vergittert und man blickte auf eine graue Mauer. Eine Kollegin war schon etwas älter. Mit adretter Kurzhaarfrisur, goldener Brille auf der Nase und einem unüberhörbaren sächsischem Dialekt. Sie pflegte immer in Hauspantoffeln im Büro umherzulaufen. Sie hieß Margret Hornker, nicht zu verwechseln mit Honecker, war verheiratet und ihre Tochter arbeitete ebenfalls im Unternehmen.
Eine andere Kollegin hieß Erika Hölsch. Sie war eine gelernte Zahnarzthelferin, die es in unsere Firma verschlagen hatte, nachdem ihre Poliklinik der Verwestlichung leider zum Opfer gefallen war. Sie war verheiratet und hatte einen Sohn.
Die dritte Kollegin im Bunde hieß Stefanie Schwarz, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt blonde Haare hatte. Sie war die jüngste von den dreien. Sie war ledig, hatte aber bereits eine Tochter. Müsste man sie charakterisieren, würde man sie als launisch, depressiv bezeichnen müssen. Sie suchte immer negative Eindrücke, die sie dann für ihr Seelenleid verantwortlich machen konnte.
Nach dem erlebnisreichen Arbeitstag gingen Jens und Denise noch in die Leipziger Altstadt bummeln. Sie sahen sich den Brühl mit der Blechbüchse, die Nikolaistraße, den Platz vor dem alten Rathaus sowie die Mädlerpassage, die gerade restauriert und saniert, wird an.
Während des Flanierens über die Nikolaistraße bemerkten beide eine Gaststätte mit einem recht ansprechenden Namen: "Goldbroiler". Der Begriff "Broiler" stand im sächsischen für "Hähnchen" oder "Grillhähnchen". Die Dornbergs entschieden sich kurzerhand, diese Lokalität einmal auszuprobieren und gingen in die erste Etage, wo sich das Restaurant befand. Als sich beide die Speisekarte anschauten, staunten sie ziemlich über die Preise. Einen halber "Goldbroiler" kostete 6,00 DM mit Salat und Pommes frites. Eine Hühnerbrühe mit Ei kostete 1,50 DM. Preise wie im Schlaraffenland dachten sich beide und bestellten ein reichhaltiges Abendessen. Dies sollte nicht das letzte Abendessen in dieser Gaststätte sein.
Gut Schlauch
Jens war seit 1988 in der Freiwilligen Feuerwehr seines Wohnortes für unüberschaubare 10 Jahre verpflichtet. Diese Verpflichtung ging er zu einem Zeitpunkt ein als an einen Mauerfall noch nicht zu denke war. Jedenfalls sollte diese Frist im Jahre 1998 enden. Nun stand er natürlich vor einem Problem. Er musste die Fortführung seiner Verpflichtung nachweisen.
Nur wie sollte das geschehen? Dienstort war Oberhausen und die Arbeitsstelle im 560 km entfernten Leipzig.
Jens vereinbarte mit dem Sachbearbeiter im Brandschutzamt Leipzig, der für die sogenannten "Drückeberger" verantwortlich war, einen Termin. Als Jens das Gebäude, welches sich direkt gegenüber von der Runden Ecke auf der anderen Straßenseite befand, an dem Tag betrat, waren noch zwei weitere zukünftige Kameraden dabei. Einer wohnte in Leipzig und war der erste Leipziger Wehrersatzdienstleistende, der sich für zehn Jahre verpflichten wollte, und der andere kam aus Glauchau und hat in der Universitätsstadt Leipzig sein Studium aufgenommen. Der Termin begann für die drei mit einer Reise in die Vergangenheit. Hier wurde sie zunächst über den Brandschutz zu vor der Wende informiert. Während der Ausführungen erfuhr er, dass die ehemaligen Brandschutzeinheiten, die teilweise zu DDR-Zeiten bewaffnet gewesen sein sollen, in Leipzig zwar aufgelöst waren, dennoch die Möglichkeit der Mitwirkung bei einer der zahlreichen Freiwilligen Feuerwehren in Leipzig und im größer werdenden Landkreis möglich wäre. Eine Meldung würde dann an das Kreiswehrersatzamt in Wesel übermittelt. Er bekam die Adresse von der Feuerwache, die sich in einer Messehalle auf der Curiestrasse befand. Jens sollte sich mit dem dortigen Wehrleiter in Verbindung setzen. Zugleich bekam er einen Termin zum Einkleiden, der zwei Monate später sein sollte.
Jens fuhr am folgenden Dienstag, dienstags war immer der Übungsabend der Freiwilligen Feuerwehr Leipzig-Ost, zur Wache. Die Messehalle 20 auf der Curiestrasse war nicht zu verfehlen. In unmittelbarer Nähe befand sich die Deutsche Bücherei zu Leipzig.
Jens parkte seinen - mittlerweile neuen BMW 318i - seitlich der roten Tore, hinter denen er den Fuhrpark der Wehr vermutete. Unangenehm war ihm das dort zu parken, denn dort standen neben der üblichen DDR-Automarken Trabant, auch liebevoll "Trabbi" genannt, und Wartburgs, alte in den Osten verkaufte Westautos. Nicht selten wurden nur aus purer Geldgier einige Schrotthaufen, die gerade noch zusammen hielten, in die Neuen Bundesländer verkauft.
Die fehlende Kenntnis über Westautos - man wollte unbedingt weg von den DDR-Marken - die im Übrigen nicht so schlecht waren, wie ihr Ruf, und der unabdingbare Wunsch nach einem West-Auto, der leider auch nicht selten im Graben oder auf dem Friedhof infolge eines Unfalls wegen zu hoher Geschwindigkeit in Einheit mit Alkoholeinwirkung endete, waren für die Käufe mit verantwortlich. So manch ein Wessi hat sich da eine goldene Nase verdient.
Dann gab es aber auch Menschen, die bestanden darauf, weiterhin ihren guten alten Trabbi zu fahren und behielten auch alte DDR-Traditionen. Solch ein Kamerad lernte Jens bei der Wehr kennen. Er sorgte bis zu seinem Tod im Jahre 2000 für das leibliche Wohl bei der Wehr, bei Übungsabenden sowie Einsätzen.
Jens betrat die Wache in der Messehalle 20. Rechts war sofort ein Fenster, eine Anmeldung. In dem dahinter befindlichen Raum war der Innendienstler, der für die Organisation während der Einsätze und Übungsdienste verantwortlich war. Er saß aufgrund einer Krankheit im Rollstuhl. Er sagte, dass die Kameraden mit dem Fahrzeug zu einem Verkehrsunfall mit zwei Toten ausgerückt seien, aber der Wehrleiter Armin Böder mit einem Kameraden Stefan Bohlmann oben auf Jens warten würde, da das Amt sein Kommen bereits angekündigt habe. Er schickte ihn in den ersten Stock wo er dann auch den Wehrleiter finden sollte. Und er fand ihn auch.
Der Wehrleiter war ein ziemlich stämmiger Mensch, mit - wie man heute sagt 3-Tage-Bart -, längerer Restkopfbehaarung, bei der oben schon die Glatze hervorkam. Altermäßig schätzte Jens ihn auf Mitte 50. Geschockt erfuhr er an einem der Dienste sein tatsächliches Alter. Starker Raucher war er, was auch in dem großen Aufenthaltsraum, in dem er sich befand, nicht zu übersehen war. Der Raum war mit Stühlen und Tischen unterschiedlicher Optik eingerichtet. Schränke mit Stellflächen für Krüge, Ehrenteller und Literatur wiesen auf eine vorherige Nutzung als Wohnzimmerschrank hin. An den Fenstern verhinderten großmaschige Vorhänge, was für eine Wache eher unüblich war, den Blick nach draußen. Unter der Decke verliefen Rohre, die die Messehalle mit Strom, Wasser und dergleichen versorgten. Zwischen den Rohren befanden sich die Leuchtstoffröhren. Dennoch hatte Jens den Eindruck, dass er sich hier bestimmt wohlfühlen und gerne herkommen werde, was in der Folge auch so eintrat.
Bei der Begrüßung durch den Wehrleiter, auch genannt Ortsbrandmeister, merkte Jens schon, dass beide mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Verständigungsprobleme haben werden. Er sagt ein paar Sätze und Jens verstand nur Bahnhof und kaum ein Wort, da der Sächsische Dialekt sehr ausgeprägt überwog. Dies änderte sich erst nach etwa zwei Jahren Wehrzugehörigkeit. Es gesellte sich deshalb jemand hinzu, der die Sätze "übersetzte", sobald in Jens Gesicht Fragezeichen auftauchten. Jens bemühte sich ebenfalls, was ihm nach seiner Auffassung gelungen war, den Kohlenpott-Dialekt zu unterdrücken und versuchte sich auf Hochdeutsch zu artikulieren. Jens erfuhr, dass die FF Leipzig-Ost aus dem Zusammenschluss der früheren Freiwilligen Feuerwehren Leipzig-Nordost und Südost entstanden ist. Dieser Zusammenschluss erfolgte erst zum 29.02.1992 und war somit auch erst ein paar Tage alt. Somit war das nicht nur für die drei Neuen ein Neuanfang, sondern für alle.
Nach etwa gut einer halben Stunde war das Gespräch beendet, der Wehrleiter zeigte Jens noch den Sanitärbereich, die Küche und den Umkleideraum. Sicherlich war das nicht zu vergleichen mit der Feuerwache in Oberhausen, die wesentlich moderner und größer war. Aber die Wache in der Messehalle machte einen familiären und angenehmen Eindruck und war vor allem nur für die Freiwillige Feuerwehr. Jens hatte das Gefühl, er würde Mitglied einer großen neuen Familie. Dies sollte kein Gefühl bleiben, sondern Realität werden. In den fünf Jahren seiner Zugehörigkeit hat er sich gut aufgenommen gefühlt, obwohl er Wessi war. Er war allerdings ein Wessi, aber für einen Wessi unüblich, strebte er keine Führungsfunktion an. Noch heute kommen in Telefonaten oder Briefen immer noch Fragen, ob er nicht wieder zurückkommen wolle. Das zeigt ihm, dass er doch nicht allzu viel falsch gemacht haben muss.
Zwei Monate später stand der Einkleidungstermin an. Auch die anderen beiden Kameraden, waren erschienen. Der Mensch aus der Kleiderkammer, bewies den neuen Feuerwehrmännern zunächst, dass er der DDR sehr nachtrauert, nachdem er ihnen dies mit einem Spruch dokumentierte: "Hirr werrd nisch' disgutierrt", nachdem er auf eine falsche Hemdgröße hingewiesen wurde. Dieser Mensch war jedoch nicht mehr lange im Dienst, wie man später irgendwann hörte.
In Jens' Ausführungen bemerkt man ein wenig Wehmut aufkommen. Zu schön war doch wohl die Zeit in Leipzig, auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Man merkt aber auch in seinen Ausführungen, dass es ein Glück war, dorthin gehen zu dürfen. Es ist eine Zeit, die ihm niemand streitig machen kann. Auf meine Frage, ob er wieder Dienst in der Wehr leisten und morgen wieder dort hingehen wolle, antwortete er mit einem breiten Grinsen: "Morgen erst…?
Mit den besten Grüßen …
Im Zuge der Ausführungen zu dem Beginn seiner Feuerwehrzeit in Sachsen fiel ihm, neben Einsätzen wegen zahlreicher Autounfälle mit Todesfolge, eine Sache ein, die sich während der Abwesenheit in Oberhausen zugetragen hat, und ihn auch nachdenklich gestimmt hatte … .
In Oberhausen lief das Leben fast so weiter wie bisher. Klatsch, Tratsch und Hetzerei war an der Tagesordnung. Für Jens und Denise waren dies eine Bestätigung dafür, dass ihr Weggang richtig war. Jens' Mutter Renate ging ihrer geregelten Tätigkeit nach, die sie bis zum Erreichen ihres Rentenalters ausüben wollte oder besser gesagt musste.
Mit von der Partie war jeden Tag eine etwa optisch 10 Jahre und tatsachlich aber nur 5 Jahre ältere Ulla Opmanezki. Was sie gelernt hat, war bisher weitestgehend unbekannt, ihr Verstand und ihre Intelligenz ließen da nur vermuten, dass sie nichts gelernt hat. Ulla machte für Außenstehende immer einen netten und liebenswürdigen Eindruck. Gekleidet war sie immer sehr einfach, hatte Mundgeruch und versprühte meist eine individuelle Duftnote, die aus einer raffinierten Kombination von Kaffee und billigem Tabak bestand, und trug in, wahrscheinlich beim Discounter "Plus" gekauften, "Gummiabsatztretern", auch Schuhe genannt, immer Nylonstrümpfe, obwohl sie sich als offenbare Besitzerin eines mittelmäßigen Mehrfamilienhauses mehr hätte leisten können.
Aber wehe dem, man hat ihr den Rücken zugewandt und sie konnte ihrem Drang nach Nachrichtenverbreitung freien Lauf lassen. Da wurde dann jeder durch den Kakao gezogen, der ihr jemals über den Weg gelaufen war und die neuesten Neuigkeiten, auch wenn sie nur im eingeschränkten Hirn dieser Person vorhanden waren, verbreitet. Dabei hat sie dann ohne Rücksicht auf Verluste Sachverhalte und Tatsachen verdreht, in kleinen, aber wesentlichen Details absichtlich oder unabsichtlich so abgeändert, dass man dieser Frau nur noch den Rücken zudrehen konnte. Zielpersonen für diese Attacken waren vorwiegend jeweils Denises und Jens Mütter, Almut und Renate, wobei Renate diesen geistigen Blödsinn meist nicht als solchen erkannte oder erkennen wollte und dann aus Langweile gemeinsam mit ihrer Mutter Eugenie, Gott und die Welt diesen Unsinn wissen lassen mussten. Dann kamen beispielsweise Anrufe spät abends bei Denise und Jens an "hömma, die Almut soll gesagt haben, dass du … (bla…bla…bla)". Solch einen geistigen Müll konnte man sich eigentlich nicht anhören, und nicht selten kam es vor, dass der Telefonhörer einfach nur neben der Schale lag und Jens hin und wieder nur mal rein horchte, bei welchem Punkt sie gerade angekommen war. Heutzutage hätte er das Telefonat direkt beendet. Häufiges Fazit eines solchen Telefonats war, dass Jens über Frau Opmanezki verärgert war. Ob jedenfalls hinter dem Drang der Nachrichtenverbreitung von Frau Opmanezki nur die geringe vorhandene Intelligenz oder andere Gründe standen, konnte man nie herausfinden. Sie war im Wesentlichen mit dafür verantwortlich, dass Jens und Denise einen Aufenthaltsort in der mehr als 540 Km entfernten Stadt Leipzig vorzogen, als in Oberhausen zu bleiben.
An einem Tag war es mal wieder so, dass Renate und Ulla ihrer beruflichen Tätigkeit nachgingen. Dies sollte das letzte Mal sein. Renate fuhr zu Ulla, um sie wie immer von zu Hause abzuholen. Bevor sie jedoch abfuhren, wurden erst noch zwei Zigaretten genüsslich abgebrannt.
Renate fuhr zu diesem Zeitpunkt einen alten, heute würde man sagen "historischen", Kadett, in moosgrün lackiert und ohne Kopfstützen. Das machte den Wagen zu einer buchstäblichen Rarität und unterstrich die historische Note dieses Fahrzeugs, welches im Fußraum, zum Leid mancher Originalfußmatten gewohnter Fahrer, orientalische Teppichläufer aufwies und bei so manchem Fahrer und Beifahrer zu einigen Irritationen und Bedienungsproblemen, zum Beispiel dem Gas geben oder bremsen, führte.
Nachdem die harmonische Inhalation der Zigarettenmarke "R6" beendet war, fuhren beide los. Am Büro angekommen, erledigten sie schnell ihre Arbeit, die daraus bestand, dass eine von ihnen die Tische abwischte und die Papierkörbe entleerte und Geschirr spülte, die andere mit dem Staubsauger durch die Räume rannte. Denn je schneller man ja arbeitet, desto schneller hat man das Geld in der Tasche und kann sich seinem gewohnten Tagesablauf wieder widmen. Das hieß dann für Ulla Unruhe stiften, über andere Menschen herziehen und für Renate zu ihrer Mutter Eugenie fahren, ebenfalls tratschen, in der Vergangenheit schwelgen und allen anderen die Schuld an ihrem verkorksten Leben zu geben, denn was sollte sie alleine zu Hause, Rudolf war ja schließlich arbeiten. Ulla erzählte wieder Neuigkeiten. Wieder betrafen sie Jens und Denise. Es schien kein Ende zu nehmen, obwohl das Ende so nah war, was sie aber noch nicht wissen konnte. Es wurde wieder gewettert, gehetzt, verleumdet und getratscht.
Nach etwa anderthalb Stunden verließen die beiden Frauen, jede mit einer Zigarette in der Hand, zum letzten Mal gemeinsam die Büroräume. Sie gingen in Richtung Auto. Da passierte es. Ein eigenartiges Geräusch war zu vernehmen und zeugte schon von dem nahenden Unheil; dem folgenschweren Unglück, welches ein für alle Male Ruhe bringen sollte. Es gab kein Entrinnen mehr. Eine der beiden Frauen brach mit samt dem Bürgersteig ein und fiel in ein tiefes Loch, wo schon siedend heißes Wasser auf sie wartete.
Es schien, als hätte die Hölle ihre Tore geöffnet. Es begann ein Wettlauf gegen die Zeit … .
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